Khawlah Bint Al-Azwar

 

Khawlah war die Tochter von einem der Anführer des Bani Asad Stammes und ihre Familie kam Gott sei dank sehr früh zum Islam. Der Name ihres Vaters war entweder Malik oder Tariq bin Aws.  Al-Azwar war sein Spitzname. Ihr Bruder Dirar war Ritter und Dichter und bekannt für seine Weisheit. Seine Liebe zu seiner Schwester und sein Vertrauen in ihre Fähigkeiten waren legendär. Diese Geschwisterliebe war sogar so stark, dass sie ihren Bruder begleitete, wohin er auch ging. Er trainierte sie in der Kunst des Schwertkampfes und sie wurde eine so gute Ritterin, wie er es war. Abgesehen davon beherrschte Khawlah auch die edle Kunst der Poesie. Sie hatte braunes Haar, war groß, schlank und wunderschön.

 

Sie war nicht bekannt oder berühmt bis zur Schlacht von Ajnadin, unweit von Jerusalem, wo Dirar seinen Speer verlor, von seinem Pferd viel und gefangen genommmen wurde. Sie war gekleidet wie ein männlicher Ritter, nahm ihre Waffen und ritt ihre Stute durch die Römischen Schlachtreihen, wobei sie mit ihrem Schwert geschickt jeden abwehrte, der versuchte, sie aufzuhalten. Die muslimischen Soldaten und ihr Führer Khalid beobachteten dies mit großer Bewunderung und dachten, sie sei ein Mann.

 

Der arabische Historiker Al Waqidi erzählt in seinem Buch "Die Eroberung von Al Sham (oberes Syrien)"

 

"In einer Schlacht, die in Bayt Lahyah bei Ajnadin geführt wurde, beobachtete Khalid einen Ritter in schwarzem Gewand, der ein langes grünes Tuch um seine Taille gewickelt hatte und dessen Brust bedeckt war. Dieser Ritter brach wie ein Pfeil durch die römischen Schlachtreihen. Weil sie sich fragten, wer dieser unbekannte Ritter war, folgten ihm Khalid und die Anderen und beteiligten sich an der Schlacht.

 

Rafe´Bin Umayrah Al-Ta´if war einer der Kämpfer. Er beschrieb, wie der Ritter durch die feindlichen Reihen brach und unter ihnen verschwand um wenig später mit vor Blut tropfendem Speer wieder aufzutauchen. Er durchbrach sie erneut und wiederholte seine Züge ohne Angst. Die gesamte muslimische Armee fürchtete um ihn und sprach Bittgebete für seine Sicherheit. Rafe´ und Andere dachten, dass es Khalid sei, der bereits für seine Tapferkeit und seine militärischen Pläne bekannt geworden war. Doch plötzlich erschien Khalid mit einigen Rittern. Rafe´ fragte den Anführer:

 

"Wer ist dieser Ritter? Bei Gott, er achtet nicht auf seine eigene Sicherheit!" "

 

Khalid antwortete, dass er den Mann nicht kenne, dass er jedoch seinen Mut sehr bewundere. Sie waren fasziniert, als sie den Ritter mit einigen römischen Soldaten auftauchen sahen, die ihn verfolgten. Anschließend drehte er sich herum und tötete die, die am nächsten bei ihm waren, bevor er mit seinen Angriffen fortfuhr.

 

Die Römer verließen das Schlachtfeld und flohen, wobei sie viele Tote und Verwundete zurückließen. Khalid suchte nach dem Ritter, bis er ihn fand. Er war über und über bedeckt mit Blut. Er lobte seine Tapferkeit und bat ihn, seinen Schleier abzunehmen, doch der Ritter antwortete nicht und versuchte wegzugehen. Die Soldaten ließen dies jedoch nicht zu. Jeder bat ihn, seine Identität preiszugeben.

 

Als der Ritter begriffen hatte, dass es nicht vermeidbar war antwortete er mit der Stimme einer Frau:

 

"Mein Führer, ich habe nicht geantwortet, weil ich schüchten bin. Ihr seid ein großartiger Anführer und ich bin nur eine Frau, deren Herz brennt."

 

"Wer bist du?" beharrte Khalid auf seiner Frage.

 

"Ich bin Khawlah Bint Al-Azwar. Ich war unter den Frauen, die die Armee begleiten. Als ich hörte, dass mein Bruder gefangen genommen wurde, brachte dies mich zu dem, was ich hier getan habe."

Khalid befahl seiner Armee, die fliehenden Römer zu verfolgen und ließ Khawlah den Angriff führen, die überall nach ihrem Bruder suchte, doch vergeblich. Gegen nachmittag war die Schlacht entschieden. Die meisten der römischen Soldaten waren getötet und die Muslime waren siegreich.

 

Weil sie wussten, dass die Gefangenen irgendwo sein müssen, sandte Khalid Khawlah mit einigen Rittern, um nach ihnen zu suchen. Nach einer schwierigen Verfolgungsjagd konnten sie die römische Abteilung einholen, die die Gefangenen zu ihrem Hauptquartier bringen sollte. Erneut fand ein Kampf statt. Dabei wurden alle römischen Wächter getötet und die Gefangenen gerettet.

 

In einer anderen Schlacht, in Ajnadin, brach Khawlahs Speer. Ihre Stute wurde getötet und sie selbst wurde gefangen genommen. Sie war erstaunt, als sie herausfand, dass die Römer das Frauenlager überfallen hatten und einige von ihnen gefangen genommen hatten. Ihr Anführer schenkte die Gefangenen seinen Befehlshabern und befahl, dass sie Khawlah in sein Zelt bringen. Sie war unglaublich wütend und entschied sich, dass es besser wäre zu sterben, als mit dieser Schande zu leben. Sie stand unter den anderen Frauen und befahl ihnen entweder für ihre Freiheit und Ehre zu kämpfen oder zu sterben. Die Anderen Frauen waren begeistert von diesem Plan. Sie griffen zu den Zelthaken und -stäben und griffen die römischen Wächter an, wobei sie die Formation eines engen Kreises bildeten, wie sie sie angewiesen hatte.

Khawlah führte den Angriff an, tötete den ersten Wächter mit ihrem Zelthaken und die anderen Frauen folgten ihr. Nach den Aufzeichnungen von Al Waqidi schafften sie es, 30 römische Soldaten zu töten, während Khawlah sie mit ihren Versen anstachelte und dabei das Blut der feindlichen Soldaten zum kochen brachte.

 

Der Anführer der Römer war rasend wegen der Vorfälle und schickte eine Abteilung seiner Soldaten zu den Frauen, wobei er zuerst versucht, sie mit Versprechungen zu beruhigen. Er sagte zu Khawlah, dass er sie heiraten würde und sie zur First Lady von Damascus werden würde. Doch sie antwortete ihm ruhig und mit großer Verachtung:

 

"Ich würde Euch nicht einmal als Hirte für meine Kamele annehmen! Wie erwartet Ihr von mit, dass ich mich herabsetze, mit Euch zu leben? Ich schwöre, dass ich Euch für Eure Anmaßung den Kopf abschlagen werde."

 

In der folgenden Schlacht bewiesen die Frauen ihre Standhaftigkeit, indem sie ihre Stellung eine Zeit lang verteidigten, sich gegenseitig anfeuerten und die Attacken mit ihren langen Zeltstangen abwehrten. Plötzlich erreichten Khalid und seine Armee das Schlachtfeld. In der entscheidenden Schlacht wurden über 3000 Römer getötet. Die Frauen nahmen alle am Kampf teil und waren stolz, berichten zu können, dass Khawlah fünf Kämpfer getötet hatte, inklusive des Anführers, der sie beleidigt hatte.

 

In einer anderen Schlacht wurden die Muslime von einer viel größeren römischen Armee überwältigt. Viele Soldaten flohen, doch nicht lange. Khawlah und die anderen Frauen trafen die fliehenden Soldaten, fragten sie nach ihrer Tapferkeit und bestärkten sie, zur Schlacht zurückzukehren. Die Männer staunten, als Khawlah zum Schwert griff und den Gegenangriff anführte. Sie drehten ihre Pferde und ritten zurück zum Schlachtfeld, was sie am Ende den Kampf gewinnen ließ.

 

Einer der Ritter, der an diesem Tag dort gewesen war, sagte:

 

"Unsere Frauen waren uns gegenüber viel harscher, als die Römer. Wir fühlten uns so, als sei es viel einfacher, zum Kampf zurückzukehren, als später unseren wütenden Frauen gegenüberzustehen."

Khawlah wurde während ihres Lebens zur Legende und das bleibt sie bis heute. Sie ist ein gutes Beispiel für Männer und Frauen, dass jeder für das kämpfen soll, an was er glaubt und niemals einen Rückschlag akzeptieren darf.